Schönes neues Deutschland: Krankenhausschließungen auch weiterhin im Trend

 

Manche zucken nur die Schultern, wenn man sie auf die Mißstände in unserem Gesundheitswesen aufmerksam macht. Das sind meist Leute, die selbst noch von keinem Notfall betroffen waren. Wie schnell (und dramatisch) sich besagte Mißstände auswirken können, habe ich in meiner Familie erst kürzlich erfahren, als mein Schwiegervater eine Lungenembolie hatte, also eine lebensgefährliche Verstopfung eines Blutgefäßes in der Lunge. Der Rettungsdienst, den wir riefen, hätte meinen Schwiegervater bis vor kurzem noch ins Klinikum Lehrte gebracht. Da die dortige Abteilung aber bereits abgemeldet war, ging es stattdessen ins Vinzenzkrankenhaus nach Hannover – was eine Verdoppelung der Rettungszeit bedeutete und zur Folge hatte, dass mein Schwiegervater nach dem Eintreffen ins künstliche Koma versetzt werden musste. Glück im Unglück: Die Sache ging gut aus – wenn auch nicht ohne weitere Hürden. So haben wir einen Monat lang verzweifelt versucht, eine Kurzzeitpflegestelle zu erhalten. Man kann sich ausrechnen, dass die daraus resultierende Verzögerung den Genesungsprozess völlig unnötig in die Länge gezogen hat. Hätte es noch eine Bestätigung gebraucht, so hätte mir spätestens dieses Erlebnis klargemacht, dass unser Einsatz für die Gesundheitsversorgung der Bürger nicht nur dringlich und notwendig ist, sondern Leben retten kann!

Doch gibt es Licht am Ende des Tunnels? – Leider nein. Der kürzlich vorgestellte Entwurf des Bundeshaushaltes spricht eine deutliche Sprache: Während der ohnehin größte Posten, der Sozialhaushalt, um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr angehoben werden soll (auf insgesamt 171,7 Milliarden Euro), will man den Gesundheitsetat um nicht weniger als 33,7 Prozent kürzen (auf 16,2 Milliarden). Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass hier eine Verschiebung von ziemlich genau fünfeinhalb Milliarden Euro stattfindet, die im diesjährigen Haushalt noch in die Gesundheit investiert wurden und nun dem Ressort Arbeit und Soziales zugeschlagen werden sollen: ein Schelm, wer als Grund hinter dieser Entscheidung die ausufernde Alimentierung unserer Neubürger vermutet …

Wenn man sich vor Augen hält, dass kein anderes Ressort im kommenden Jahr derart schrumpfen wird wie Gesundheit, dann kann man sich auch ausmalen, wie sich unsere Gesundheitsversorgung weiter entwickeln wird. Zeit, sich zu entscheiden: Ob man lieber beten möchte, dass man vom Notfall verschont wird – oder gemeinsam mit uns für die Wiederherstellung einer angemessenen und flächendeckenden Gesundheitsversorgung kämpft. Ich appelliere an Sie: Tun Sie das letztere!